Workshop

Mit dem Ortsbürgerverein sammeln

Mit diesem Workshop können Sie gemeinsam mit Ihrem Ortsbürgerverein Kulturlandschaftselemente sammeln. Ziel des Workshops ist es, den Wandel der Landschaft zu erkennen und besondere Elemente zu benennen. Der Workshop-Fragebogen hilft dabei, ein strukturiertes Gespräch über die frühere Landschaft zu führen.

Wir haben diesen Workshop im Sommer 2023 mit den Ortbürgervereinen Scheps und Vreschen-Bokel, sowie der Seniorengruppe von Wiefelstede durchgeführt

Was sind Landschaftsteile?

Jeder kann an diesem Workshop teilnehmen. Mithilfe verschiedener Karten gilt es zunächst, die Landschaftsteile zu erkennen. Damit sind die Flächen gemeint, in denen sich Ackerflächen, Wiesen, Wälder und ehemalige Heide- oder Moorflächen befinden. Mit dem Fragebogen schauen sich pro Landschaftseinheit an, welche Funktion sie in der Vergangenheit hatten, wo die größten Veränderungen stattgefunden haben, welche Namen sie hatten und welche Geschichten Sie mit ihnen verbinden.

Die Landschaftsteile sind an den Farben im Beispiel des Ausschnitts von Wiefelstede aus der Oldenburgischen Vogteikarte von 1790 deutlich zu erkennen. Ackerland ist weiß mit schwarzen Streifen schraffiert. Die gelben Wiesen mit Gras liegen entlang der Bachläufe. Wälder sind grün, mit kleinen Baumfiguren dargestellt. Heideflächen sind in Rosa mit Gras skizziert. Das Moor hat eine hellbraune Farbe mit Streifen, die auf Nässe hinweisen.

So funktioniert‘s

Leichter Anfang

Lassen Sie uns gemeinsam die Bedeutung Ihrer Kulturlandschaft entdecken. Dieser Workshop dauert etwa 2 Stunden, mit einer Pause für Erfrischungen. Wir betrachten den Fragebogen und die Antworten der Ortsbürgervereine Scheps und Vreschen-Bokel sowie der Seniorengruppe Wiefelstede.

  • Dauer: 2 Stunden
  • Hilfsmittel: Fragebogen, gedruckte Karten, Filzstifte oder permanente Marker, Klebepunkte

Sie möchten selbst einen Workshop durchführen oder an einem der nächsten Workshops teilnehmen?

Fragen

1. Welches Gebiet betrachte ich als mein Dorfgebiet?
2. In welchen Teilen des Dorfgebietes halte ich mich am wenigsten auf?
3. In welchem Gebiet bin ich am häufigsten?

Die erste Frage zielt darauf ab, dass sich die Teilnehmer an die Karten gewöhnen. Die weiteren Fragen regen an, über die Räume des eigenen Dorfgebietes nachzudenken. Wichtig: es gibt keine richtige oder falsche Antwort.

Für die ersten drei Fragen bietet sich an, eine Luftbildkarte zu betrachten. Darauf zeichneten die Teilnehmenden ihre Antwort zu Frage 1 ein. Frage 2 erhielt einen gelben Punkt. Frage 3 hat einen roten Punkt.

Anworten (Vreschen-Bokel)

Die Teilnehmer können das Dorfgebiet von Vreschen-Bokel eindeutig zuordnen. Lediglich die Grenze zu Augustfehn war schwer zu erkennen. Die Teilnehmer hielten sich in ihrer Kindheit überwiegend auf dem Esch und an der Badestelle des Aper Tiefs auf (rote Punkte). Der Esch war ein Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft. Sie gingen nicht ins Bokelermoor oder außerhalb des Dorfgebietes (gelbe Punkte).

Diese Art der Antworten sind zu erwarten. Mit Augenschein auf die Landschaftsteile hielt man sich in der Vergangenheit auf dem Acker und am Bach auf, aber nicht im Moor.

Wo wohnen Sie? Haben Sie Vorlieben, wo Sie sich in Ihrer Gegend gerne oder weniger gerne aufhalten? Warum ist das so? Und hat es ggf. etwas mit der Landschaft zu tun?

Wandel der Landschaftsteile

Fragen

4. Welche Funktion oder Nutzen hatten/haben die verschiedenen Landschaftsteile? - Acker, Wasserlauf, Wald, Heide, Moor
5. Gab es in den letzten Jahrzehnten Veränderungen in den verschiedenen Landschaftsteilen?

Bei der vierten Frage beginnt die Diskussion über die Landschaft. Die Teilnehmer betrachten die Landschaftsteile im Einzelnen. Sie fragen sich, welchen Nutzen diese Teile in der Vergangenheit hatten und warum das so ist. Gerne kann hier über den Wert der Landschaft gesprochen werden. Die fünfte Frage zeigt, dass die Landschaft wandelbar ist. Den Teilnehmern wird deutlich, dass sie zeit ihres Lebens den Wandel in der Landschaft miterlebt haben.

Für die Fragen der Nutzung und die Fragen wurden verschiedene historische Karten betrachtet, wie die Oldenburgische Vogteikarte aus 1790, die Preußische Landesaufnahme aus 1899 und die Urkatasterkarte aus 1842.

Anworten (Osterscheps)

In Osterscheps waren sich die Teilnehmer schnell einig, dass die besten Ackerflächen auf dem Esch zu finden seien. Die Ackerflächen am Hemeler, der etwa einen Kilometer nördlich vom Esch liegen, seien im Vergleich deutlich minderwertiger. Als „Skat“-Flächen läge ihr Wert bei 18 Bodenpunkten aufwärts. Das Land rund um die Aue wurde in der Vergangenheit als Weideland genutzt. Früher trat die Aue weiträumig über ihre Ufer. Heute wird sie im Zwischenahner Meer reguliert. Die Flächen entlang der Aue können mit zusätzlicher Entwässerung sogar als Ackerland genutzt werden. Die ehemaligen Heide- und Moorgebiete wurden in den 1950er und 60er Jahren bis zu einer Tiefe von 2 Metern umgebrochen. Bis zum Umbruch wurden Schafherden in diese Gebiete getrieben. Der Umbruch ermöglichte neue Siedlungen. Im Moor wurde Torf zu Heizwecken für den Eigenbedarf gestochen.

Die größten Veränderungen im Landschaftsbild sind nach Ansicht der Teilnehmer der Siedlungsausbau in der Nachkriegszeit, der Tiefenumbruch und die Begradigung der Aue.

Erinnern Sie sich an Veränderungen in den verschiedenen Landschaftsteilen bei Ihnen in der Gegend? Was ist ggf. durch die Veränderungen verloren gegangen?

Flurnamen und Geschichten der Landschaftsteile

Fragen

6. Sind bestimmte Flurnamen mit diesen Landschaftsteilen verknüpft? Wenn ja, welche? – Acker, Wasserlauf, Wald, Heide, Moor
7. Gibt es bestimmte Geschichten, die Sie mit der Landschaft oder Flurnamen verbinden?

Die letzten Fragen dienen der Tiefenanalyse. Es werden die Flurnamen und Geschichten per Landschaftseinheit gesammelt. Vielerorts sind die Flurnamen der Acker- und Weideflächen bekannt. Man kann sie auf den Urkatasterkarten finden. Spannend wird die Frage, ob diese Namen gebräuchlich sind und wenn nicht, ob es andere Namen bekannt sind. Bei den Geschichten handelt es sich um Anekdoten, die die Teilnehmer in einem bestimmten Gebiet erlebt haben oder die sie mit dem Gebiet verbinden.

Abbildung: Für die Fragen der Flurnamen und Geschichten wurden verschiedene historische Karten betrachtet, wie die Oldenburgische Vogteikarte aus 1790, die Preußische Landesaufnahme aus 1899 (s.o.) und die Urkatasterkarte aus 1842.

Anworten (Hollen und Garnholt)

Beim Workshop in Wiefelstede kamen die meisten Teilnehmer aus Hollen. Diese junge Kolonie in der Wapel-Jührdener Moorgeest kennt keine bestimmten Flurnamen. Vielmehr erinnerten sich die Teilnehmer, dass die Flächen zwischen den Kolonaten als „Meenheit“, also Gemeinheit, bezeichnet wurde. Wichtige waren die Straßennamen, zum Beispiel der Birkenweg, entlang dessen einige der Teilnehmer 1955 gemeinsam mit der Schule Birken pflanzten.

Besonders intensiv erinnerten sich die Teilnehmer an ihre Schulzeit, als sie in Dringenburg zur Schule gingen. Sie kamen aus dem Moor und wurden als kleine Bauern weniger ernst genommen. Dadurch entstand das Gefühl, nicht dazuzugehören. Das Leben im Moor war vor dem Tiefenumbruch schwierig. Nicht alle Bauern konnten sich von ihrem Kolonat selbst versorgen und arbeiteten zusätzlich in der Ziegelei von Hahn-Lehmden.

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