Rekonstruktion einer Landschaft 1650

Rekonstruktion einer Landschaft (Quelle: Ulco Glimmerveen).

1500 n.Chr. – 1850 n.Chr.

Kulturlandschaft: Neuzeit

In der Neuzeit wurde die Landschaft weiter eingenommen. Der Wandel in den Eschsiedlungen vom Mittelalter bis zur Neuzeit ist in den Flurnamen vieler Orte in eindrucksvoller Weise dokumentiert. Köter konnten sich unter Protest der Hausleute in der gemeinen Mark ansiedeln. Die landschaftliche Entwicklung der Neuzeit legen den Grundstein für die Parklandschaft Ammerland. Die Möglichkeiten der Ausweitung der Siedlungen wird durch die natürliche Beschaffenheit der Parallelrippen begrenzt. Die Landschaft wird kleinräumiger aufgeteilt als in anderen Geesträumen.

Zeittafel

16. Jahrhundert

Reformationszeit: Bauern kaufen sich teilweise aus Hörigkeit frei, Köter und Brinksitzer kommen hinzu; Grafen sind alleinige Landesherren: Rückgang Kleinadel und landesherrliche Verwaltung durch Drosten und Vögte.

17. Jahrhundert

Bevölkerungswachstum: Markkötter roden die gemeine Mark; Bauerrecht als Widerstand der Hausleute; Abtshaus vom Kloster wird zum Jagdschloss.

18. Jahrhundert

Wirtschaftlicher Aufschwung: aus Gemeinheitsteilungen entstehen Feldsiedlungen.

Als die neue Zeit anbrach

In der Neuzeit fand in vielerlei Hinsicht ein Umbruch des alt hergegangen Dorflebens statt. Im Mittelalter kümmerte man sich als Selbstversorger hauptsächlich um die Belange der Bauerschaft. Mit der Neuzeit kam eine stärkere Marktorientierung hinzu. Es wurden Produkte speziell für den Verkauf auf den überregionalen Märkten produziert. Außerdem wuchs die Bevölkerung stetig an. Das führte dazu, dass sich in einigen Bauerschaften die Möglichkeiten der Dorfausweitung erschöpften. Die Errichtung von Köterstellen in der gemeinen Mark stoß deshalb auf Widerstand unter den Altbauern.

15. Jahrhundert

Die Herrschaft der Grafen ab dem 15. Jahrhundert

Wir wollen unseren Blick auf die allgemeinen Ereignisse der Neuzeit vom Ende des 15. bis zum 18. Jahrhundert werfen. In dieser Zeit erfolgte der Übergang von der gemeinschaftlichen Bauernwirtschaft zur individuellen bäuerlichen Wirtschaftsführung. Diesem Prozess ging die Etablierung der Grafen von Oldenburg und Delmenhorst als alleinige Herrscher voraus. Sie etablierten ihre Territorialherrschaft ab dem 14. Jahrhundert durch Tausch, Kauf und Eroberung. Sie beerbten zudem den lokalen Adel im Ammerland, wodurch viele der Gräftenburgen an Bedeutung verloren und schließlich verschwanden. Die letzte Schlacht gegen die Ostfriesen, die im Jahre 1457 bei Mansie stattgefunden haben soll, besiegelte die Herrschaft der Grafen von Oldenburg.

Das Friesendenkmal in Seggenforde bei Mansie erinnert an die gewonne Schlacht gegen die Ostfriesen in 1457. Die Schlacht war entscheidend für die Etablierung der Macht der Oldenburger Grafen.

16. Jahrhundert

Freie Bauern ab dem 16. Jahrhundert

Im 16. Jahrhundert begann die Produktion von Waren für den Verkauf auf überregionalen Märkten. Als landesherrliche Verwalter setzten die Grafen von Oldenburg einen Vogt in Westerstede und einen Drosten in Apen ein. Sie erhoben die Steuern aus der Landesherrschaft, aus dem Zehntrecht und der Grundherrschaft für die Grafen. Während der Reformation kam es im Ammerland zu keinen Auseinandersetzungen. Die Auflösung des Klosters Rastede hatte insbesondere für die Grafen von Oldenburg positive Folgen, da sie es verstanden, die Ländereien und Besitzungen des Klosters für sich zu erlangen. Darüber hinaus konnten im 16. Jahrhundert die ersten Bauern aus der Hörigkeit freikaufen.

17. Jahrhundert

Der Streit um die Gemeinschaftsflächen im 17. Jahrhundert

Graf Anton Günther regierte von 1603 bis 1667. Seine Neutralitätspolitik sorgte dafür, dass seine Grafschaft nicht vom Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) betroffen wurde. Zu Beginn seiner Amtszeit waren die Pferdezucht und der internationale Viehhandel die Haupteinnahmequellen des Landes. Das änderte sich mit der Erlangung des kaiserlichen Zollprivilegs an der Weser im Jahr 1623. Der Zoll bildete fortan die Einkünfte des Staates. Auf dem Klostergelände in Rastede errichtete der Graf seine Sommerresidenz. Das Jagd- und Lusthaus wurde 1643 fertiggestellt. Er jagte in den Wäldern rund um das Schloss und in den heidebewachsenen Meenheiten der Bauerschaften. Im 17. Jahrhundert wurden das Arbeiten nach der mittelalterlichen Nutzungstrennung von Dorf, Feldmark und Gemeinheit für die Ammerländer Hausleute immer schwieriger. In der Bauernrolle von 1614 verweisen die Gemeinden Rastede und Wiefelstede auf ihr ererbtes Recht, ihr Vieh auf den Wiesen und Heiden weiden zu lassen. Das Problem war die Ausweisung der Köterstellen, die den Raum der Gemeinheiten und damit die Weidemöglichkeiten einschränkte. Laut einer Urkunde aus dem Jahr 1692 mussten die Hausleute von Ekern, Edewecht und beider Schepsen sogar ihr Vieh gegen Zoll- und Weidegeld nach Ostfriesland bringen, weil „allen Orten viele neue Köter sich setzten, Kämpe und alle noch gehabte Gemeinheit zugraben.“ Dieser Streit dauerte bis weit ins 18. Jahrhundert, während der Dänenzeit zwischen 1667 und 1773.

Rastede wird durch Graf Anton Günther im 17. Jahrhundert zum Sommerresidenzort der Oldenburger Grafen. Das Foto zeigt das heutige Schloss in Rastede.

18. Jahrhundert

Die Marktorientierung im 18. Jahrhundert

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts profitierte vor allem Apen vom erstarkenden Handel. Der dortige Hafen wurde zum Umschlagplatz für Schiffe auf Fuhrwerk und umgekehrt. Damit einher ging die Blütephase der Fuhrleute und des Schiffsgewerbes in Apen und in Edewecht. In der Landwirtschaft spezialisierte man sich auf den Anbau von Roggen und Flachs sowie Hopfen für den Export. Der Flachs wurde zu Garn gesponnen. Aufgrund des wachsenden Handelsaufkommens wurden schließlich auch die Fernwege modernisiert. Vor allem der Weg von Burgforde über das Moorburg durch das Lengener Moor wurde ausgebaut. Westerstede profitierte von der Fernverbindung an die Märkte in Leer, Emden und den nördlichen Niederlanden. Hier nahm die Marktaktivität zu. Als die Dänenzeit 1773 endete und Oldenburg 1774 zum Herzogtum wurde, hatte der Prozess der Gemeinheitsteilungen bereits begonnen. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts revolutionierte es die Landwirtschaft, die fortan auf individuellen Landbau basierte. Die Heideflächen wurden allmählich urbar gemacht. Dies bietet der wachsenden Bevölkerung Raum für die Errichtung von Anbauerstellen. In den folgenden Abschnitten betrachten wir ausführlich die Entwicklungen der Landschaft in den Bauernschaften.

Das Dorf und der Acker in der Neuzeit

Bis weit in die Neuzeit hinein konzentriert sich das Leben im Ammerland auf die Geesträume, genauer gesagt auf den Raum der Eschsiedlungen. Die Entwicklungen in den Dörfern spiegeln den Wandel in der Gesellschaft und in der politischen Ordnung wider. Wir betrachten einige Bauerschaften aus der Gemeinde Westerstede als Beispiel für die landschaftlichen Entwicklungen.

Der Wandel in den Eschsiedlungen im Ammerland erklärt am Beispiel von Westerloy. Die Oldenburgische Vogteikare mit Blick auf Westerloy als Beispiel einer neuzeitlichen Eschsiedlung. Das Dorf liegt am Rande vom Esch parallel zum Bachlauf. Der Esch wird von einem Eschwall aus Eichen umgeben (weiß mit Streifen). Dahinter liegt die Gemeinheit, dessen Name sich aus der Ortschaft und „Feld“ zusammensetzt. Sie besteht aus Heide (rosa). Daneben liegt eine Moorfläche (gelb mit unregelmäßigen Strichen). Die Bachniederungen dienen der Heuernte und dem Grasen des Viehs (gelb mit Gras). Im Spätmittelalter ging man auf ein Zweifeldsystem mit Winter- und Sommergetreide über, wobei das Brachjahr wegfiel. Im Übergang zur Neuzeit setzte sich die Einfeldwirtschaft mit dem „ewigen Roggenbau“ als Hauptgetreidesorte durch. Dazu etablierte sich der Plaggenhieb als Technik zur Qualitätsverbesserung des Ackers.

Markegenossen, Hausleute und Esch

Im Laufe des hohen Mittelalters schlossen sich die Hausleute zur Markegenossenschaft zusammen. Gemeinsam machen sie den Esch urbar und teilen die Nutzungsrechte an den Wiesen und der gemeinen Mark untereinander. Der Esch wird in Phasen urbar gemacht. Früh- und hochmittelalterliche Fluren erkennt man an ihren Namen, wie „Wohrte“, „Block“ oder „Breen“. Die Erweiterungen wurden oft als „Acker“ bezeichnet. Ihre Namen können zudem auf die Rodungstätigkeiten hinweisen (s. Detailstudie Osterscheps). Ein Eschwall aus geflochtenen Bäumen und Sträuchern schützte den Esch vor Viehverbiss und Sandverwehungen. Nach der Ernte hielt er das Vieh auf den Esch, das auf dem Stoppelfeld weidete. Während des Mittelalters änderte sich die Wirtschaftsweise auf dem Esch von der Dreifelderwirtschaft (mit einem Brachjahr) zur Zweifelderwirtschaft (ohne Brache). Im Übergang zur Neuzeit beginnt die Einfeldwirtschaft, die wir heute als „ewigen Roggenbau“ kennen.

Der mittelalterliche Kern ist in Blau eingekreist. Hier liegen die Höfe der Hausleute neben einem kleinen Waldstück und der Esch. Die frühneuzeitlichen Erweiterungen sind in Gelb markiert. Wir sehen Koten, die im Norden und Süden in der Gemeinheit urbar gemacht wurden. Die Kämpe erstrecken sich hinter den Hofstellen der Köter. Sie werden von einer Wallhecke eingezäunt. Ein Kamp ist demnach ein eingehegtes Stück Land, das außerhalb des Esch angelegt wurde. Außerhalb der Koten ist der Charakter der Gemeinheit erhalten geblieben. Man trifft auf Heide.

Wann kommen die Köter zur Dorfgemeinschaft hinzu?

„Köter“ oder „Kötner“ traten als zweite Siedlerschicht zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert zum Dorf hinzu. Sobald die Rodungstätigkeiten auf dem Esch abgeschlossen waren, konnten sich keine weiteren vollwertigen Höfe an die Dorfgemeinschaft anschließen. Deshalb teilte man im Laufe des Spätmittelalters die Vollerben. Mit dem Hofteilungsverbot in der Neuzeit waren weichende Erben gezwungen, sich in der gemeinen Mark niederzulassen. Köter besaßen daher einen kleineren Betrieb als die Hausleute. Sie erhielten in der Regel keine Anteile am Esch und konnten nur wenig Vieh in die Allmende treiben. Entsprechend der großen zeitlichen Spanne konnten die Lage und die Größe der Hofstellen, aber auch die Stellung der Köter in der Gemeinschaft stark variieren.

Erbköter, Markköter, Brinksitzer und Kämpe mit Wallhecken

Im Laufe des hohen Mittelalters schlossen sich die Hausleute zur Markegenossenschaft zusammen. Gemeinsam machen sie den Esch urbar und teilen die Nutzungsrechte an den Wiesen und der gemeinen Mark untereinander. Der Esch wird in Phasen urbar gemacht. Früh- und hochmittelalterliche Fluren erkennt man an ihren Namen, wie „Wohrte“, „Block“ oder „Breen“. Die Erweiterungen wurden oft als „Acker“ bezeichnet. Ihre Namen können zudem auf die Rodungstätigkeiten hinweisen (s. Detailstudie Osterscheps). Ein Eschwall aus geflochtenen Bäumen und Sträuchern schützte den Esch vor Viehverbiss und Sandverwehungen. Nach der Ernte hielt er das Vieh auf den Esch, das auf dem Stoppelfeld weidete. Während des Mittelalters änderte sich die Wirtschaftsweise auf dem Esch von der Dreifelderwirtschaft (mit einem Brachjahr) zur Zweifelderwirtschaft (ohne Brache). Im Übergang zur Neuzeit beginnt die Einfeldwirtschaft, die wir heute als „ewigen Roggenbau“ kennen.

Bauernhörn und Köterhörn

In vielen Ortschaften treffen wir bis heute auf einen „Köterhörn“ und „Bauernhörn“ bzw. „Burnhörn“ (-hörn = Stelle, Ecke). Im Bauernhörn liegen die Hofstellen der Hausleute und älteren Koten. In Osterscheps, Westerloy und Ocholt blieben in diesem Raum die ältesten Kerne bewahrt, da moderne Dorfentwicklungen auf dem Köterhörn stattfanden. Im Köterhörn liegen die Markekoten.

Leinacker und Flachskampen

Neben dem Roggen wurde ein weiteres Gewächs in der Neuzeit angepflanzt. Im 18. Jahrhundert nahmen die Flachsacker bis zu 15% der gesamten Ackerfläche ein, was ihre Bedeutung unterstreicht. Der Flachs diente mit der Garnspinnerei als ein Nebenerwerb für die Bauern. Es wurden Teile des Eschs mit Flachs bepflanzt oder eigens Kampen urbar gemacht. Später wurden die Flächsen zu Hausgärten umgeformt. Viele Fluren tragen den Namen „Flachs“ oder „Lien“, so z.B. das Flachsmoor in Felde, Lienland in Linswege, Flachswiese in Burgforde, Lienstücke in Lindern, Lienbrink in Westerloy, Lienackers in Apen, Espern und Edewecht, sowie Lienblöcke und Flassackersbreen in Vreschen-Bockel, Flachswarme in Aschwege, Lienworth in Kayhausen und Flachskamp in Osterscheps. Es sollte auffallen, dass sich diese Äcker im Raum von den Gemeinden Westerstede, Apen, Edewecht und Zwischenahn konzentrieren. Das liegt daran, da das Grundwasser näher an der Oberfläche vorkommt.

Lienland“ auf dem Linsweger Esch und „Leinackers“ auf dem Hollweger Esch.

Die Gemeinheit, das Plaggen, das Bauernrecht und die Feldsiedlungen

Die Eschsiedlungen des Ammerlandes entwickelten sich im Mittelalter ähnlich wie in anderen Geestgebieten. Man siedelt neben ackerfähigen Flächen in der Nähe eines Baches. Mit verbesserter Düngung, landwirtschaftlichen Innovationen und einem höheren Arbeitsaufwand pro Hektar durch die kleineren Landwirte können neue Hofstellen mit Kämpen in der ärmeren Gemeinheit gebaut werden. Die Gemeinheit besteht aus Heide, Moor und lehmigen Waldgebieten. Der kleinräumige Wechsel dieser Landschaftsteile auf den Parallelrippen ist Voraussetzung für die heutige Parklandschaft Ammerland. Die Landschaftsentwicklungen in der Gemeinheit sind wegen dieser Struktur kleiner als in andere Geesträumen.

Vom Wald zur Heide

Im Allgemeinen wandelten sich im gesamten Nordwestdeutschen Geestraum die bewaldete Gemeinheit in ein ausgestrecktes Heidegebied vom Mittelalter bis in die Neuzeit. Ein entscheidender Faktor für die Verarmung war das Vieh, das im Wald graste. Diese Öffnung der Landschaft trat vor allem um die Dorfgebiete hinterm Esch auf. Im Bauernhörn, dem Altkern der Dörfer, wurden kleinere Waldstücke geschützt. Aber auch hinter den verheideten Gemeinheitsflächen bleiben Landstriche mit Wald erhalten. Diese Landschaftsteile ordnen sich eher kleinräumig auf den Parallelrippen an.

Jede Bauerschaft entwickelt sich entsprechend der natürlichen Voraussetzungen anders. Hollwege, Feld und Halstrup liegen lang gereckt auf einer Parallelrippe. In Hollwege sehen wir, dass sich die Köter ihre Häuser im Raum des Dorfes bauten. Ihre Kämpen liegen jedoch im Süden des Dorfes (blau eingekreist), während der Esch im Norden liegt. Der Esch von Hollwege geht in Kampen von Felde über. Hinter den Kämpen im Süden liegt die Gemeinheit, das „Hollweger Feld“ (pink eingekreist). Der Esch wird von kleineren Waldstücken eingerahmt (grün eingekreist). Dahinter folgen Wiesen und die Große Norderbäke bzw. die Felder Bäke. Im Süden vom Dorfkern liegt ein kleiner Wald (grün umkreist). Der Esch wird von Heideflächen umgeben (pink umkreist). Im Nordosten liegen Kämpe (blau umkreist) und dahinter das „Felder Feld“.

Die Einführung des Plaggens

Viele Bauern konnten durch das Aufkommen einer stärkeren Marktökonomie in der Neuzeit ihren Viehbestand erhöhen. Das brachte mehr Mist. Dies verbesserte die Möglichkeiten des Düngens schlagartig und führte zur Einfeldwirtschaft. Das bedeutet, dass der Esch fortan einzig mit Roggen bebaut wurde. Beim Plaggenstechen wurden Grassoden entlang der Bachläufe oder Heidesoden bzw. in der „Meenheit" geschlagen und im Stall mit dem Dung vermengt. Der Sand, der an den Plaggensoden hängen blieb, wurde mit in den Stall und auf den Acker getragen. Im Ammerland entstand dadurch eine zwischen 0,6 und 1 Meter hohe Plaggenauflage.

Das Plaggen hatte eine regelrechte Vernarbung der Gemeinheit zur Folge. Dort wo Plaggen in der Gemeinheit entnommen wurden, konnte sich die Heide nur sehr langsam zurückbilden. Dieser Wandel wird den Bauern kaum aufgefallen sein können, da es innerhalb einer Generation keine augenscheinlichen Veränderungen gab. Das zunächst mit Bäumen bedeckte Gebiet hinter dem Dorf und der Feldmark verarmte. Es entstanden immer ärmere und offenere Heidefelder. Dies wurde durch, die ein der Neuzeit größer werdende Schafherden verstärkt.

Warum entstand das Ammerländer Bauernrecht?

Das Plaggen und die Besiedlungen hatte eine Überlastung der gemeinschaftlichen Flächen zur Folge. Die Altbauern verfügten über das Recht in der Gemeinheit. Die Gemeinheit war zentraler Teil ihres Bauernbetriebs. Sie war Futterstelle für ihr Vieh und bestimmte damit darüber, wie viel Vieh sie halten konnten. Wie viel Vieh ein Bauer hielt, war entscheidend für die Möglichkeiten zu düngen. Die Ausweisung von Koten mit Kamp in der Gemeinheit war also mit denkbaren Problemen für die Hausleute verbunden.

Im 17. Jahrhundert kam es so weit, dass die Flächen der Gemeinheit so klein wurden, dass die Hausleute ihr Vieh zum Weiden nach Ostfriesland trieben. Die Bauernrolle entstand als einen Versuch, das Recht an der Gemeinheit zu verschriftlichen. Die Altbauern fordern ihr altherkömmliches Recht gesetzlich zu bestätigen. Das hat das Ziel, dass die Entwicklungen in der Gemeinheit teilweise gestoppt werden können.

Die Gemeinheitsteilung

In der Etablierung der Bauernrolle zeigt sich, wie schon in der Neuzeit die Modernisierung der Siedlungen und die alten Traditionen aufeinander knallten. Es zeigt einen gesellschaftlichen Wandel, in dem aus gemeinschaftlichen Flächen privatisierte Grundstücke werden. Es kommt zum Höhepunkt mit der Gemeinheitsteilung ab Mitte des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts. Zu diesem Zeitpunkt entsteht die Oldenburgische Vogteikarte, die wir bereits mehrfach betrachteten. Carl Baasen beschreibt die Landschaft vor einer Zeit, in der Feldsiedlungen entstanden.

Carl Baasen beschreibt, wie die Landschaft vor den Gemeinheitsteilungen um 1800 aussah (Baasen 1927, 160).

Bei den Gemeinheitsteilungen wird die Gemeinheit gemäß der Größe der Hofstellen unter den Bauern in der Bauerschaft aufgeteilt. Das Verhältnis der Anteile der Vollhöfe zu Kötern zu Brinksitzern war in der Regel 8 zu 4 zu 1. Die neuen Fluren wurden verschiedenartig urbar gemacht. Wir müssen uns vor Augen halten, dass es sich dabei um verarmte Heideflächen handelt. Diese werden von den Landwirten teilweise erst im 20. Jahrhundert umgebrochen und zur Viehweide genutzt. Flächen, die dem Staat gehörten, wurden oft zu Wäldern aus Kiefern und Fichten entwickelt. Dies kann als eine Faustregel gesehen werden. Kieferwäldern verweisen auf alte Heideflächen bzw. auf arme Böden. In den Niederungen werden Gräben zur Entwässerung und Wallhecken als Besitzgrenze angelegt.

Die Feldsiedlungen

An die neuen Fluren nach der Aufteilung waren einige Regeln für die Verwaltung verbunden. Die Placken, wie die Fluren genannt wurden, mussten eingefriedigt und entwässert werden. Die Einfriedigung erfolgte durch aufgeworfene Wälle. Durch die Entwässerung mit Gräben kann das Land später in Ackerland umgewandelt werden. Diese Bedingungen bedeuteten für die Bauern einen großen Aufwand. Nur die leistungsfähigsten Bauern konnten diese Flächen selbst bewirtschaften. Sie pflanzten Kiefern auf Flächen, die für die Bebauung zu arm waren. Die überwiegende Mehrheit der Bauern konnte es sich jedoch nicht leisten, die neuen Flächen zu bewirtschaften. Darum überließen sie ihre Anteile den Anbauern. Sie behielten größtenteils die an ihr Land angrenzenden Flächen. So entstanden in einiger Entfernung von den Dörfern die Feldsiedlungen der Anbauern. Die neuen Siedlungen haben oft Namen mit der Endung -feld, wie zum Beispiel Westerstederfeld oder Aschhauserfeld. An anderer Stelle deuten die Namen auf die Beschaffenheit der früheren Meenheit hin, wie etwa -loge in Portsloge und -moor in Hellermoor.

Die Spuren der Neuzeit: Herrschaft, Bauernhörn, Wallhecken und Feldsiedlungen

Wir haben gesehen, dass in der Neuzeit viele neue Schichten an die Ammerländer Landschaft angebracht wurden. Da wären die Monumente des Grafen Anton-Günther, wie dem Rasteder Jagdschloss mit Lustgarten und allen dazugehörigen Jagdgebieten, dem Marstall und Gut Hahn, das als Vorwerk und Gestüt diente. Die Verwalter der Grafen lebten in verschiedenen Perioden auf der Festung zu Apen und der Burg in Burgforde. Sie wurden deshalb während der Neuzeit mehrfach modernisiert, aber letztlich zum Abbruch freigegeben.

Die Landschaft der Ammerländer Bauerschaften erhielt im Laufe der Neuzeit einen völlig neuen Charakter. Zu Beginn der Neuzeit wurde zunächst der Ackerbau umgestaltet, indem auf die Plaggenwirtschaft und dem Einfeldsystem mit Roggen übergangen wird. Das verstärkte die Verheidung der Meenheit. Die Kirchwege führten damals über trockenen Pfaden durch diese Gemeinheitsflächen. Mit der Ausweisung von Markekoten wächst der Druck auf die Gemeinheiten. Die Kampsiedlungen mit Wallhecken wurden von den Hausleuten durch die Bezeichnung „Bauernhörn“ und „Köterhörn“ unterschieden. Diese Entwicklungen mündeten in den Gemeinheitsteilungen. Aus den gemeinsamen Heidefeldern wurden private Ländereien.

Wirtschaftlich folgte die Spezialisierung auf einzelne Anbaugewächse wie Flachs und Hopfen. Der Hinweis auf Flachs oder Linnen (Leinen) findet sich bis heute vielerorts in Flur- und Straßennamen zurück. Die stärkere Orientierung auf überregionale Märkte begünstigte den Ausbau des Wegenetzes. Dazu wurden viele Mengen Sand aus Hügeln abgegraben.

Die Gemeinheitsteilungen markieren den Beginn der Agroindustrie. Es veränderte die Landschaft des Ammerlandes tiefgreifend. Im gesamten Gebiet der alten Meenheiten entstanden Feldsiedlungen. Besitzgrenzen wurden oftmals mit Wallhecken (Knicks) markiert. Die Eschwälle wurden jedoch zerstört, weil diese intensive Holzkultur überflüssig wurde und ihre Schatten die Bewirtschaftung der angrenzenden Ackerfluren erschwerten. Von da an beschränkte man sich auf die Pflege der Wälder zur nachhaltigen Abholzung. Zusätzlich zu den bisherigen vorrangigen Eichen- und Buchenwäldern kamen Kiefernwälder auf den alten Heideflächen hinzu. Im Mansholter Holz wurden beispielsweise Nadelhölzer in Lichtungen angepflanzt.

Die Karte zeigt die heutigen Wallhecken im Ammerland. Die Eschsiedlungen sind kleine Inseln in dem dichten Netz aus Wallhecken. Wallhecken beschränken sich auf den Geestraum. Sie markieren die Besitzgrenzen in der Gemeinheit. Die Moore bleiben auch in der Neuzeit unbewohnt. Dies erklärt die großen Lücken an den Grenzen im Westen, Süden und Osten. Einige Wallhecken stehen heute in Waldgebieten. Sie wurden in der Regel im 19. Jahrhundert gepflanzt.

Spuren der Geschichte in den Gemeinden des Ammerlands